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- Mitten im Leben – Freimaurerei und Öffentlichkeit. (Vortrag) - Der Tempel der Freimaurer (zitiert aus Festschrift) - Humanität und Freimaurerei (Festvortrag zu 250-Jahre-Jubiläum) Mitten im Leben – Freimaurerei und Öffentlichkeit.Kürzlich habe ich mit einer Freundin über Freimaurerei gesprochen. Sie wunderte sich: „Ihr steht doch mitten im Leben ! Warum denken die Menschen, Ihr seid ganz am Rande?“ - Freimaurerei eine Randerscheinung? In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit? Tatsächlich? Logen und Großlogen betreiben seit vielen Jahren Öffentlichkeitsarbeit. Die Frage drängt sich auf, inwieweit erreicht sie die Öffentlichkeit ? Vor zwei Jahren wagten wir ein Experiment. Wir öffneten unser Logenhaus im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Diese ist ein Publikumsmagnet, tausende Menschen machen sich auf den Weg zu hunderten kulturellen Veranstaltungen.
Hier der vollständige Vortrag (pdf-Datei) zum Lesen benötigen Sie den Adobe-Reader, den Sie kostenlos hier herunterladen können. Vortrag von Michael Heitmann, Meister vom Stuhl der Freimaurerloge Carl zur Eintracht anlässlich des Neujahrsempfanges am 17.01.2010
Der Tempel der FreimaurerFür die Ausübung der Königlichen Kunst ist „die Loge die Lehr- und Übungsstätte“. (Lehnhoff/Posner). Sie hat dafür einen bestimmten Ort, der die Mitte der Bruderschaft bildet und deren gesamtes Handeln sich von dieser Mitte her und zu ihr hin orientiert. Freimaurerei ist ohne diesen Ort nicht denkbar. Wir nennen ihn in unserer Symbolsprache den Tempel. (...) Dieser Tempel ist kein bestimmtes Gebäude, dessen Zweck schon durch seine Architektur erkennbar ist, sondern ein symbolischer Ort, der überall da konkret wird, wo Freimaurer nach den Regeln ihrer Rituale ihre (geistige) Arbeit verrichten. Warum nennen wir diesen Ort aber Tempel? Die mittelalterlichen Bauhütten, aus denen wir ja unsere Symbole ableiten, erbauten doch die großen Dome der abendländischen Christenheit. Nun, der Tempel ist älter als alle Pyramiden, Synagogen, Kirchen, Moscheen und Pagoden (Charpentier). Sie alle repräsentieren eine bestimmte Form der Begegnung des Menschen mit dem Transzendenten, die sich jeweils in bestimmten Glaubensgemeinschaften und deren Dogmen manifestiert. Der Tempel nicht. Er symbolisiert den schlechthin ursprünglichsten Ort und die ursprünglichste Form dieser Begegnung, die wir Freimaurer immer wieder unter den drei Aspekten erleben: „Blick in dich, blick um dich, blick über dich!“ Darum kann der Tempel als symbolischer Ort dieser Grunderfahrung mit sich selbst auch alle anderen Formen der Begegnung mit dem Transzendenten in sich einschließen, ohne diese auch nur im geringsten in ihrer Eigenart zu relativieren oder gar mit ihnen zu konkurrieren. Ganz im Gegenteil, jeder Bruder kann im freimaurerischen Tempel eine vertiefte Erfahrung mit seiner eigenen Religion erleben, wie es seinem Bedürfnis entspricht. Das wird möglich durch die mit stets gleichen Worten vollzogenen Wechselgespräche der Rituale, die jedem einzelnen Bruder die Möglichkeit zum Sich-Öffnen ermöglichen, ohne ihn dabei gleichzeitig in eine vom Ritual vorgegebene Richtung zu führen. Diesen Schritt vollzieht er selbst. So geschieht es dann jedes Mal, dass jeder Bruder gedanklich seinen eigenen Weg geht und trotzdem ein starkes Gefühl brüderlicher Verbundenheit entsteht. Auf diese Weise wird der Tempel zu einem absoluten Raum der Freiheit, in dem jeder seinen Weg zur Beantwortung seiner Lebensfragen gehen kann, ohne dabei in Konkurrenz zu den anderen Brüdern treten zu müssen. Darum ist im Tempel das Gebot der Toleranz, eines der wichtigsten Postulate der Freimaurerei, eine fraglose Wirklichkeit. Aber der Tempel ist nicht nur der Ort der spirituellen Begegnung mit sich selbst unter dem Symbol des Grossen Baumeisters der Welten, er symbolisiert uns auch im „Tempel der Humanität“ jenes Menschheitsbauwerk, das „in seiner Vollendung die in sich befriedete Menschheit aufnehmen soll, jene Menschheit, die ihn bauen soll und die mit ihm identisch ist" (Lehnhoff/Posner). Der Tempel der Humanität symbolisiert damit jedem einzelnen Freimaurer den zentralen Auftrag, an der Vollendung dieses Menschheitstraumes mitzuwirken, der ja nicht zufällig in allen Religionen eine entscheidende Rolle spielt. Freimaurer verstehen sich darum als Bauleute, die beständig an diesem Tempel arbeiten. Ihre geistigen Werkzeuge sind dabei die aus der Werkmaurerei der mittelalterlichen Dombauhütten entlehnten Symbole. Dieser Bauauftrag gilt für jede Arbeit innerhalb der Loge und aus ihr heraus auch für die ganze profane Welt, in der jeder Freimaurer lebt. Worin besteht nun die Arbeit am Tempel der Humanität ? „Die Steine, derer wir dazu bedürfen, sind die Menschen“ sagt unser Ritual. Darum versteht sich jeder Freimaurer als einen „rauen Stein“, dessen „Ecken und Kanten“ er selbst unter Mithilfe seiner Brüder mit dem „Spitzhammer“ bearbeiten muss, damit er sich dann als „kubischer Stein“ in das große Bauwerk einfügen kann. Der Bauwerker ist also zugleich das Baumaterial, das er bearbeiten muss. Darum ist das „Erkenne dich selbst!“ erstes und ständiges Gebot des Freimaurers. Er baut also am Tempel der Humanität, indem er sich selbst zum Tempel heranbildet. Nicht zufällig finden wir dieses Bild auch an vielen Stellen der Bibel. Diese Arbeit an seinem Ich vollzieht der Freimaurer aber nicht als Ich-AG. Er ist dabei beständig eingebunden in die große Bruderschaft der Bauhütte. Das ist über seine eigene Loge hinaus auch jede andere auf der ganzen Welt. Überall kann er „anklopfen“ und „um Arbeit bitten“, nachdem er sich als Freimaurer zu erkennen gegeben hat. Man wird ihn willkommen heißen, denn alle Bauhütten arbeiten jederzeit und an jedem Ort am gleichen Werk. Ob als Lehrlinge, Geselle oder Meister tätig, die gemeinsame Arbeit verbindet alle im Symbol der Wasserwaage, dem Zeichen der Gleichheit. So unterschiedlich auch die Positionen der Brüder in der profanen Welt sein mögen, in der Loge sind alle gleich und der gleichen Aufgabe verpflichtet, zu der jeder mit seinen Möglichkeiten seinen Beitrag leistet. In der Geborgenheit dieser Bruderschaft kann jeder Bruder unbehindert an die Arbeit gehen, indem er z.B. seine „Zeichnungen auflegt“, wie wir die Vorträge nennen, mit denen er in den „Konferenzlogen“ seine geistige Arbeit dokumentiert. Die Bruderschaft ist dabei kein Tribunal und verteilt keine Zensuren. Sie bildet vielmehr einen wohlwollenden Freiraum, in dem er ungefährdet durch dogmatische Vorgaben alle seine Gedanken ausbreiten kann, sofern sie nicht gegen die Gebote des Anstandes verstoßen. Man wird ihm mit brüderlichem Wohlwollen zuhören und im anschließenden Gespräch seine Gedanken aufgreifen und durch eine anderer Gedanken bereichern und weiterführen. So arbeiten die Freimaurer gemeinsam beständig an ihrem Bild von sich selbst und der Welt, aus dem heraus sie dann auch ihren Auftrag an der Welt artikulieren können, denn die Arbeit an sich ist kein Selbstzweck. Sie muss sich vielmehr durch das Handeln jedes Einzelnen in der Welt bewähren. Darum werden die Brüder nach jeder Tempelarbeit mit den Worten entlassen:„Geht zurück in die Welt und bewährt euch als Freimaurer. Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt. Kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken. Seid wachsam auf euch selbst.“ S.C. nach oben
Humanität und FreimaurereiProf. Dr. Hermann Wiegand, zwar kein Mitglied, aber guter Freund von „Carl zur Eintracht“ hielt bei unserem 250-Jahre-Jubiläum den Festvortrag „Humanität und Freimaurerei". Er bezeichnete "Freimaurerei war immer" als anthropologische Grundkonstante von der Antike bis heute. Zeitlos gehe es darum, sich selbst besser zu verstehen und damit um die alte Botschaft „Erkenne Dich selbst". Verschiedene Wege führen zur Erkenntnis. Dabei sei Toleranz Andersdenkenden gegenüber wesentlicher Bestandteil der Humanität. 1612 wurden die klassischen Worte gegen die Tötung von Menschen im Namen des Glaubens publiziert: „Einen Menschen töten, heißt nicht, eine Lehre verteidigen, sondern einen Menschen töten. Als die Genfer Servet umbrachten, haben sie keine Lehre verteidigt, sondern einen Menschen umgebracht." Der Blick nach Guantanamo oder Afghanistan zeige, dass nach wie vor die Stimme der Humanität, Toleranz und Brüderlichkeit, die Stimme der Vernunft erhoben werden müsse. In diesem Sinne wird Freimaurerei nicht nur sein, sie muss sein. Hier der vollständige Vortrag (pdf-Datei) zum Lesen benötigen Sie den Adobe-Reader, den Sie kostenlos hier herunterladen können. nach oben | |||
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